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Glockenbach

Rosa Meile, Grünes Herz, Blaues Band


Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel werden gerne mal in einen Topf geworfen, dabei hat das Quartier südwestlich der Fraunhoferstraße ein ganz eigenes Gesicht - ein wenig schräger, ein wenig knuffiger, ein wenig anders

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Götterspeise - Definitiv die süßeste Versuchung im Viertel


Über die Leinwand flackern die Ramones, der Laden ist so proppenvoll, dass man zum Reinkommen einen Schuhlöffel brauchen könnte, auf dem Tisch tanzt eine vollbusige Blondine zu Elektro auf der Bar: Willkommen im Glockenbachviertel! Vergnügungssucht hat hier Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert ging der Münchner auf der Suche nach Bier und Tanz in die Gegend zwischen Sendlinger Tor und Isar. Wo heute Wirt Isi Yilmaz sein X-Cess aufsperrt und Lollies an die anwesenden Damen verteilt, stand zwischen 1874 und 1944 der riesige Varieté-Tempel Kolosseum, von dem heute nur noch der Straßenname zeugt. Das Glockenbachviertel entstand als Mietshaus- und Gewerbeviertel der gründerzeitlichen Stadterweiterung. Von den zahlreichen Bächen, die das Viertel durchzogen, ist lediglich der idyllische Westermühlbach übrig - den namensgebenden Glockenbach selbst kann man leider nur noch unterirdisch rauschen hören.

In den achtziger Jahren entdeckten Künstler, Studenten und Schwule das Viertel für sich und zogen in die patinierten Gründerzeithäuser ein. Die florierende schwule Szene in all ihren Facetten machte das Glockenbachviertel schließlich über München hinaus bekannt: Freddie Mercury lebte in den Achtzigern in der Hans-Sachs-Straße und war Stammgast im Pimpernel. Wie wild er seinen Geburtstag im Old Mrs. Henderson zelebrierte, kann man sich auf Youtube im Videoclip "Living On My Own" anschauen. Die Regenbogenflagge flattert hier immer noch an unzähligen Lokalen - auch wenn in der Ex-Schwulendisco The Stud heute die Clubheads der Ersten Liga residieren und auch im Pimpernel ein weniger warmer Wind weht. Viele nette kleine Shops prägen das Viertel und Selig, Kranz, Loretta, Maria oder Aroma heißen die Cafés, vor denen oft so viele Menschen sitzen, dass man denken könnte, sie werden fürs Kaffeetrinken bezahlt. Man kennt sich, grüßt sich und schiebt mittlerweile auch mal einen Kinderwagen: Auf den Spielplätzen zwischen Klenze- und Arndtstraße geht's nachmittags hoch her. Abends geht man in gemütliche Restaurants wie Faun, Anti, Hey Luigi, Moro oder Cooperativa und nachts natürlich auf die Piste - das hat hier schließlich Tradition ...

Tobias Wullert


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