Ab diesem Monat beleuchten wir die Entwicklung in ausgewählten Stadtteilen. Den Anfang macht die Altstadt. Wir sprachen mit Bar- und Clubbetreibern über Alltag, Niveau und Chancen in Düsseldorfs Traditionskiez
Karlsson übernahm 1998 den traditionsreichen (Q)-Stall an der Kurzen Straße. Elvis-Fan, DJ, Barbetreiber. Sieht die Altstadt in eine fragwürdige Richtung driften
Stadtteil-Special Altstadt
"Was wollen Sie machen?", fragt das Düsseldorfer Altstadt- Portal im Internet. Eine der Optionen: "Party bis zum Umfallen." Als Anlass kann man u. a. Junggesellenabschied und Kegeltour wählen. Wer dann noch als Getränkepräferenz "Egal, Hauptsache, et knallt" anklickt, wird auf die Bolker Straße geschickt. Zieht man so das richtige Publikum an? Bei der Altstadt-Gemeinschaft, Betreiber der Seite, zeigt man sich immerhin einsichtig: "Wir haben die Homepage länger nicht bearbeitet. Wir sehen ein, dass das geändert werden muss." Ändern müsste sich womöglich noch einiges, damit Düsseldorfs Traditionsstadtteil sein Imageproblem loswird. Gerade die Bolker Straße wird zunehmend zur No-go-Area für Menschen, die auf Ischgl-Partys, Kirmesmusik und Junggesellenabschiede verzichten können. Seit der renommierte Unique-Club dort zugemacht hat, ist die Straße für viele Düsseldorfer niveaufreie Zone. Wie hat Betreiber Henry Storch es dort eigentlich so lange ausgehalten? "Wir fanden das früher immer o.k. Die Publikumsmischung hat uns nicht gestört. Das ist wie in Hamburg: Die Reeperbahn ist auch scheiße, die Läden sind aber nicht schlecht." Am Ende musste das Unique vor den horrenden Mieten kapitulieren. Zuschüsse, etwa vom Kulturamt, hat Storch in all den Jahren nie gesehen. "Es war einfach traurig, dass unsere Arbeit von der Stadt überhaupt nicht gewürdigt wurde." Das Programm des Unique-Clubs zog Gäste aus ganz Deutschland nach Düsseldorf.Nun befindet sich an derselben Stelle eine Restaurantkette. Tja. Auch die Geschichte der Tonhallen-Terrasse ist kein Ruhmesblatt für die Stadt. In enger Kooperation mit der Geschäftsleitung der Konzerthalle hatte Betreiber Hamed Shahi hier einen Biergarten der unmuffigen Art eröffnet - mit Klappstühlen, Sonnenschirmen und guter Musik. Die Terrasse zog ein vorwiegend junges und kreatives Publikum - darunter viele Menschen, die um die Altstadt sonst einen Bogen machen. Trotz vorliegender Genehmigungen und eines positiven Ratsbeschlusses verweigerte die Stadt die Nutzungserlaubnis. Angebliche Begründung: Die Deko sei nicht schick genug. Eine verschenkte Chance. An anderer Stelle hat die Etablierung einer alternativen Nische immerhin geklappt: Seit Ende 2004 gibt es den Salon des Amateurs im Bauch der Kunsthalle. Den Umbau der Räumlichkeiten finanzierte die Stadt. Betreiber Detlef Weinrich und Aron Mezhion sorgen seit-dem für ein Musikprogramm, das in Sachen Anspruch und Abwechslung keine Wünsche übrig lässt. Der Erfolg gibt den beiden Recht - vor allem am Wochenende brummt der Laden. Das Publikum rekrutiert sich zu einem Großteil aus der Kunstszene, ohne dass der SDA zum hermetischen Szeneobjekt geworden wäre.
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