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Abriss ohne Birne
Ok, so etwas wie eine Handlung hat der Film auch: Im Krieg zwischen den guten Autobots und den bösen Decepticons strandete einst ein Raumschiff auf dem Mond, löste (geheim! geheim!) das US-Raumfahrtprogramm aus und sorgt nun mit seiner reaktivierten, gefährlichen Fracht für neue Kämpfe zwischen den Maschinen. Und weil die auf der Erde stattfinden, dürfen auch wieder Menschen mitspielen. Natürlich im Mittelpunkt: Sam Witwicky (Shia LaBeouf), der nette Auto(bot)fetischist von nebenan, der zwar ein Megaloft und eine Hammerbraut hat, aber keinen Job - die ideale Identifikationsfläche für das post-pubertierende, männliche Zielpublikum. Seine Rolle besteht fast ausschließlich darin, alarmiert aus der Wäsche zu schauen oder hysterisch zu schreien. Und auch die anderen Menschen, für die die Autobots sämtliche Schrauben und Scharniere riskieren, geben kein gutes Bild ihrer Spezies ab: ein tumbe Blondine auf Highheels (Unterwäsche-Model Rosie Huntington-Whiteley), Sams blödsinnige Eltern, jede Menge Macho-Krieger mit dicken Knarren, ein skrupelloser Opportunist (Patrick Dempsey) und durchgeknallte Psychopathen (die einzigen schauspielerischen Highlights des Films, verkörpert von Frances McDormand, John Malkovich und besonders John Turturro). Aber für Regisseur Michael Bay geht es ohnhin nicht um irgendeine zu schützende "Menschlichkeit" - das sind höchstens dramaturgische Bauklötzchen in einem Plot, in dem es um etwas ganz anderes geht - Action und zwar so fett, dass das Publikum vergisst, sich die Popcorn reinzuschieben. In "Transformers 3" laufen deshalb alle Handlungsstränge nur auf eines hinaus: Das blockweise Zerlegen der Innenstadt von Chicago und zwar in ganz großem Stil. Wer also all die nervtötenden Plattitüden und müden Witzchen der ersten anderthalb Stunden ertragen hat, wird dann mit einem Showdown belohnt, der - auch im Hinblick auf die 3D-Technik - noch nie Gesehenes bietet und keinen Vergleich mit Werken von Michaels Bays Vorbild James Cameron zu scheuen braucht. Megan Fox hat den "Transformers"-Regisseur allerdings mit jemand anderem verglichen: Hitler. Das ist natürlich böse - und der Wut darüber geschuldet, dass Bay sie aus seinem "Transformers 3" rausgekickt und durch eine Blondine ersetzt hat. Richtig ist aber, dass sich der Meister bei seinen leicht größenwahnsinnigen Kinokasseneroberungsplänen durch nichts abschrecken lässt. Wie eine dieser Maschinen, die als Mischung aus Riesenwürmern und Tunnelbohrern sich durch ganze Straßenzüge und Hochhäuser fressen, schreddert Michael Bay alles, was sich ihm in den Weg stellt: Charaktere, Logik, Anspruch, Scham - das sind bei ihm zu vernachlässigende Kollateralschäden in einer Materialschlacht, in der es nur um Entertainment geht. Wem das reicht, der bekommt allerdings im letzten Drittel ein Kino-Schnitzel XXXL serviert.
Michael Schömburg


